Google Algorithmus und die Anarchie des Internets

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Google ändert mit Panda 4.0 den Such-Algorithmus

Am 21.5. wurde der Algorithmus der Suche auf Google.de aktualisiert. Wie bei jedem dieser Updates zittert die SEO-Branche vor den Konsequenzen für ihre Mandanten. Matt Cutts – wichtigster Orakel-Verkünder Googles – kündigte knapp in einem Tweet das neue Update an: „Google is rolling out our Panda 4.0 update starting today.“ Darüber hinaus kündigte Google ein „Google Payday Loan Update“ an. Hier handelt es sich um Eingriffe in den Suchalgorithmus besonders gewinnträchtiger Keywords.
Beide Ereignisse zusammen genommen sind vergleichbar mit dem so genannten Hexensabbat an den Börsen, wenn in großer Zahl Derivate auf Aktienkurse und Indizes verfallen.

Mit jedem dieser Updates werden Geschäftsmodelle in Frage gestellt, die auf der Auffindbarkeit in Google basieren. Der Sichtbarkeits-Index von Sistrix auf ebay.de gibt eine Ahnung, welche Dimension die Google-Updates haben können.

Sichtbarkeit ebay-SERPs
Sichtbarkeit ebay-SERPs

Ziel bei den Anpassungen des Suchindexes ist es, Content-Farmen und andere Spam-Schleudern aus den Suchergebnissen der Google-Suchmaschine zu verbannen. SEO, die mit Methoden an der Grenze zu illegalen Methoden arbeiten, riskieren das Geschäft ihrer Mandanten zu zerstören. Geschäftsführer betroffener Unternehmen reagieren mit der Abwälzung der Verantwortung auf den SEO-Dienstleister. Ob sie damit Erfolg gegenüber der Google-Inquisition haben, ist unwahrscheinlich.

Google ist für viele Unternehmen die Basis ihres Online-Business. Solange sie die Nummer eins in den entscheidenden Keywords sind, ist Google der beste Freund. Wenn ein Update diese goldene Zeit abrupt beendet, wird die Szene nervös und warnt vor der Allmacht Googles.
Besonders beachtenswert sind Statements vom Springer Verlag oder der Deutschen Telekom. Ob Döpfner, Gabriel oder die Beschwerde der Telekom bei der Brüsseler EU-Kommission, sie unterstellen Google marktbeeinflussende Manipulationen bei den Suchergebnissen.
Stellvertretend hier der Vorwurf der Telekom gegen die Suchmaschine Google:
„Die Beschwerde bezieht sich auf Googles wettbewerbswidrige Praktiken in der Online-Suche und dem Werbemarkt für Anzeigen.“
Einstmals vereint in der Domäne bild.t-online.de versuchten Telekom und Springer in einem Portal die Dominanz im Internet- und Verlagsgeschäft zu potenzieren. Bild.t-online.de heißt heute nur noch bild.de. Die einstigen Partner gehen eigene Wege. Umso abhängiger sind beide Unternehmen von der Sichtbarkeit in entscheidenden Keywords in Googles Ergebnisliste.

Anarchie oder Hegemonie in der Google Ergebnisliste

Welche Anarchie, wenn unter dem Stichwort „DSL Anchluss bestellen“ nicht der Platzhirsch Telekom, sondern endlose Listen kleiner Telefongesellschaften erscheinen würden. Springer und Telekom befürchten aber genau das. Denn sie wollen nicht etwa eine scheinbare Gleichheit in der Ergebnisliste, sie fürchten ihre Dominanz.

Das Chaos bleibt jedoch aus und auch nach dem letzten Update erscheint die Telekom unter diesem Stichwort auf Platz eins in der natürlichen Suche: „DSL-Anschluss bestellen und ändern | Telekom“. Und, oh Wunder, auch bei der Telekom eigenen Webseite „suche.t-online.de steht auf Platz eins der natürlichen Suche mit: „Telekom Neuanschluss / Neuer T-Home Telefonanschluss mit DSL‎“ ein Telekom-Satellit in Form einer 1&1 Tochter.
Die Anarchie bleibt auch mit dem neuen Update des Google Suchmaschinen-Algorithmus aus. Große Verlagshäuser sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Verlierer sind Seiten wie ask.com (-50%), sparwelt.de (-47%), Gutscheinpony.de (-46%), softonic.de (-33%), idealo.de (-23%) oder ebay.de (-32%).
Gewinner sind überwiegend Seiten mit hoher Kontentdichte wie internisten-im-netz.de (+359%), gesundheit.de (+249%) oder daskochrezept.de (+150%). (Quelle: http://www.sistrix.de/ SEPS Gewinner/Verlierer)

Sichtbarkeit Verlage -SERPs
Sichtbarkeit Verlage -SERPs

Dennoch hat Google mal wieder die Instrumente vorgeführt und das Zittern geht weiter. Denn nach dem Update ist vor dem Update.
Meine persönliche Empfehlung an Timotheus Höttges und Matthias Döpfner. Stellt in eurem Büro einen Google-Schrein auf und opfert jeden Tag ein Räucherstäbchen. Die EU-Kommission gegen Google aufzuhetzen, wird eher die eigenen Schweinereien im Internet aufdecken, als den Internet Oligarchen Google vom Thron zu stoßen.
SEO-Gurus werden weiter an den Lippen von Matt Cutts hängen, wenn er wieder in seiner unvergleichlichen Art über die weitere Richtung des Google Algorithmus orakelt:
„What should we expect in the next few months in terms of SEO for Google?“